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Standardartikel (Forschungsartikel, Praxisbericht, Fallbericht)

2026

Zwischen öffentlichem Engagement und diskursiver Repression: Risiken wissenschaftlicher Kommunikation in den Medien im Kontext sozial-ökologischer Krisen

DOI
https://doi.org/10.69805/epo.v30.a57
Eingereicht
31. Oktober 2025
Veröffentlicht
26.10.2026

Abstract

Diese Studie untersucht, wie Wissenschaftler:innen in deutschsprachigen Ländern ihr öffentliches Engagement in traditionellen und sozialen Medien im Zusammenhang mit sozial-ökologischen Krisen erleben, und inwieweit negative Reaktionen im öffentlichen Diskurs mit ihrer Bereitschaft zusammenhängen, dieses Engagement fortzusetzen. Grundlage ist eine Online-Befragung von 138 Wissenschaftler:innen, die sich in unterschiedlichem Umfang öffentlich engagierten und über berufliche Netzwerke wie Scientists4Future rekrutiert wurden. Erfasst wurden die Häufigkeit des medialen Engagements, positive und negative Erfahrungen, wahrgenommene Reputationsschäden, erlebte organisationale Unterstützung sowie die Bereitschaft zu weiterem medialem Engagement. Unter den Befragten mit Medienerfahrung überwogen positive Erfahrungen. Dennoch berichteten 78,4 % von Beleidigungen und 29,9 % von körperlichen Bedrohungen oder rechtlichen Risiken. Negative Erfahrungen gingen mit stärker wahrgenommenen Reputationsschäden einher, die wiederum mit einer geringeren Bereitschaft zu weiterem Engagement verbunden waren. Erlebte organisationale Unterstützung zeigte keinen signifikanten Haupteffekt auf die Engagementbereitschaft. Bei stärker wahrgenommener organisationaler Unterstützung fiel der negative Zusammenhang zwischen Reputationsschäden und Engagementbereitschaft schwächer aus. Die Ergebnisse liefern empirische Einblicke in Dynamiken, die zu diskursiver Repression beitragen können – verstanden als dezentralisierte Prozesse, welche die wahrgenommenen beruflichen Kosten der Beteiligung an kontroversen öffentlichen Debatten erhöhen. Nicht Feindseligkeit an sich, sondern vor allem die Sorge um die berufliche Reputation scheint die Entscheidung über weiteres öffentliches Engagement zu prägen.