Während Umweltmotivation als Prädiktor für nachhaltiges Verhalten anerkannt ist, scheint ihr Zusammenhang mit Treibhausgasemissionen weitaus schwächer zu sein. Wir argumentieren, dass eine Erklärung für dieses scheinbare Paradoxon darin liegt, dass (I) nachhaltige Entscheidungen nicht unbedingt zu wesentlich geringeren Emissionen führen, (II) Personen möglicherweise nicht immer emissionsgeleitet handeln oder (III) die Emissionsunterschiede zwischen nachhaltigem und nicht nachhaltigem Verhalten nicht immer erkennen. Daten zu Essenswahlen in einer Universitätscafeteria und die resultierenden Emissionen von N = 115 Studierenden wurden durch Vor-Ort- und Online-Rekrutierung erhoben. Eine Reihe von Regressionsmodellen ergab, dass Umweltmotivation in engem Zusammenhang mit nachhaltigen (d. h. veganen oder vegetarischen) Essenswahlen stand. Die Emissionsunterschiede zwischen verfügbaren nachhaltigen und nicht nachhaltigen (d. h. omnivoren) Mahlzeiten und das Wissen über emissionsbezogene Lebensmittel hatten keinen Einfluss auf die Entscheidungen der Teilnehmenden. Emissionsunterschiede zwischen angebotenen Optionen moderierten den Einfluss der Umweltmotivation auf die Emissionen. Im Wesentlichen scheint die Umweltmotivation zwar nachhaltige Essenswahlen vorherzusagen, ihr Emissionsminderungspotenzial ist jedoch kontextabhängig. Dies bedeutet, dass bei der Korrelation von Motivation und Emissionen der Kontext berücksichtigt werden muss, um eine faire Bewertung der Emissionswirkung der Umweltmotivation zu ermöglichen.